Pilzzucht auf Strohpellets


 Pilze zu züchten stellt gerade für ungeübte und Pilzzucht-Neulinge eine große Herausforderung dar. Die gegen Kontaminationen wie Schimmel und Bakterien empfindlichen Lebewesen haben hohe Ansprüche an das Substrat sowie die Umweltbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit beim Wachstum. Eine große Erleichterung bei der Zucht und einen leichten Umgang bei der Herstellung von Pilzkulturen bieten Strohpellets.


Strohpellets bestehen aus getrocknetem Stroh, dass bei der Herstellung bereits zum größten Teil von den meisten Mikroorganismen befreit und anschließend stark gepresst wurde. Daher gelingt die Zucht von Austernseitling, Kräuterseitling und Co. auf Strohpellets sogar unsteril. Das spart enorm viel Zeit, Geld und schont gerade für unerfahrene Pilzzüchter auch die Nerven. Werden die Pellets mit Wasser versetzt, quellt das gepresste Stroh stark auf und liefert ein wunderbares Substrat für viele verschiedene Pilzgattungen.

 

Die unsterile Pilzzucht auf Strohpellets eignet sich besonders gut für Anfänger und verspricht schon nach kurzer Zeit gute Erfolge und eignet sich für folgende Pilzgattungen:



Austernseitling | Pleurotus ostreatus

Kräuterseitling | Pleurotus eryngii

Limonenseitling | Pleurotus citrinopileatus


Rosenseitling | Pleurotus djamar

Ulmenseitling | Pleurotus ulmarius


Benötigte Materialien 


  •  Strohpellets (0,65 Kg), Wasser (1,9 Kg), Gips (25 g), Kalk (10 g)
  • Pilzbrut (ca. 350 g)
  • Wasserkocher bzw. Topf + Herd
  • Küchenwaage bzw. Messzylinder/Messbecher
  • Schlauchfolie (Länge ca. 50-70 cm, Breite ca. 30 cm)
  • scharfes Messer / Teppichmesser  

Anleitung zur Herstellung der Pilzkultur


  • nehmen Sie zunächst einen großen Eimer zur Hand und befüllen diesen mit genau 0,65 Kg Strohpellets und geben die entsprechende Menge Gips (25 g) und Kalk (10 g) hinzu
  • anschließend stellen Sie den geöffneten Eimer auf eine Küchenwaage und tarieren die Waage ("0,00 Kg" einstellen)
  • bringen Sie nun Wasser zum Kochen, in einem großen Topf oder Wasserkocher und übergießen Sie anschließend das trockene Substrat mit genau 1,90 Kg heißem Wasser. Das entspricht 1,90 L. Dabei quellen die Strohpellets stark auf !! 

 

Waage tarieren
Kochendes Wasser zu den Strohpellets geben

Die exakte Wassermenge ist dabei extrem wichtig, damit das Substrat nicht zu feucht ist bzw. während der Wachstumsphase austrocknet. Wird zu viel Wasser verwendet, kann sich schnell Schimmel bilden und das Substrat wird unbrauchbar !!! Ist das Substrat hingegen zu trocken, kann das Mycel das Substrat nicht richtig bewachsen und sich nicht weiter ausbreiten.

 

  •  legen Sie, nachdem Sie das Wasser zugegeben haben, den Deckel leicht auf den Eimer und lassen die Mischung abkühlen, bis der Eimer nur noch warm und nicht mehr heiß ist
  •  drücken Sie den Deckel nun fest und dicht zu
  •  anschließend Schütteln Sie den Eimer mehrere Male kräftig durch, damit sich die Strohpellets gleichmäßig mit Wasser vollsaugen und vollständig aufquellen. Belüften Sie zwischendurch den Eimer durch öffnen des Deckels, falls sich Überdruck aufbauen sollte
Pilzzucht Substrat-Mischung schütteln
Aufgequollene Strohpellets

 

  • wenn der Eimer samt der Substratmischung vollständig auf Raumtemperatur abgekühlt ist, können Sie die Pilzbrut zur Hand nehmen und zu dem Substrat hinzugeben. Waschen Sie sich vorher bitte gründlich die Hände und reinigen Ihre Arbeitsfläche sorgfältig mit Wasser und Spülmittel
  •  achten Sie darauf, dass die Körner der Pilzbrut sich voneinander lösen und möglichst einzeln im Substrat vorliegen
  •  schließen Sie den Deckel vom Eimer und schütteln Sie die Mischung jetzt kräftig durch. Je sorgfältiger und besser die Brut im Substrat verteilt ist, desto schneller und gleichmäßiger durchwächst die angefertigte Pilzkultur

 

Pilzbrut aufschütteln

Beim Aufschütteln der Pilzbrut scheint das weiße Mycel spurlos zu verschwinden. Aber keine Angst, schnell breitet sich das Mycel wieder aus, sobald es 1-2 Tage im Substrat verbleibt. 

Microfilterbeutel aufschneiden
Pilzbrut zu den Strohpellets geben
Pilzbrut und Strohpellets erneut durchmischen

Achten Sie bitte unbedingt darauf, dass der Eimer mit dem Substrat vollständig abgekühlt ist, bevor Sie die Pilzbrut zugeben. Ist das Substrat noch zu heiß (über 35 °C), stirbt das Pilzmycel ab und die Kultur wird unbrauchbar.        

  • nachdem Sie die Substratmischung sorgfältig durchgemischt haben, können Sie den Deckel vom Eimer öffnen und das Substrat in die Schlauchfolie füllen
  • verschließen Sie dazu bitte die Schlauchfolie zunächst an einer Seite fest mit einem Knoten
  • waschen Sie sich anschließend erneut gründlich die Hände und nehmen zum Befüllen einen sauberen großen Löffel oder eine Suppenkelle zur Hilfe
  • ist das gesamte Substrat in der Schlauchfolie, haben Sie es fast geschafft!

 

  • Drücken Sie nun das Substrat leicht zusammen und bringen den "Block" in die gewünschte Form
  • dann können Sie die noch offene Seite der Schlauchfolie ebenfalls fest mit einem Knoten verschließen
  • Stechen Sie anschließend mit einer Nadel viele kleine Löcher gut verteilt in die Schlauchfolie, damit das Substrat mit Sauerstoff versorgt wird

 

Strohpellets mit der Pilzbrut in Schlauchfolie abfüllen
Substrat zusammenpressen und Schlauchfolie zuknoten
Schlauchfolie befüllt mit der Pilzzucht-Substratmischung
Löcher zur Belüftung mit einer Nadel hineinstechen

Pflege der Pilzkultur


Stellen Sie nun die angefertigte Pilzkultur an einen sauberen, dunklen Ort mit einer Temperatur von 19-25 °C. Da die Pilz-Kultur beim Wachsen selbst Wärme erzeugt, kann die Substrat-Innentemperatur deutlich über der Raumtemperatur liegen. Ab einer Temperatur von 35 °C stirbt das Mycel ab. Achten Sie also gerade im Sommer darauf, dass die Kultur bei höchstens 25 °C gelagert wird. 

 

 

Bereits nach 1-3 Tagen kann beobachtet werden, wie das Mycel sich im Substrat ausbreitet. Nach 2-4 Wochen ist das Substrat vollständig besiedelt und bildet an einigen Stellen bereits größere, weiße Mycelknoten. Nehmen Sie nun ein scharfes Messer zur Hand und schneiden Sie an den Stellen, an denen die Pilze herauswachsen sollen, bzw. an den Stellen mit den großen weißen Mycelknoten, mehrere Schlitze in die Folie. 

 

Pilzkultur mit einem Messer anschneiden
Die ersten Fruchtkörper bilden sich nach ca. 4 Wochen

Bereits nach 5 Wochen können die Pilze geerntet werden
Ulmenseitling - Hypsizygus ulmarius

 

Stellen Sie die Pilz-Kultur jetzt nach Möglichkeit an einen etwas kühleren Ort mit viel Frischluftzufuhr und Tageslicht, z.B. an ein Fenster, in den Keller oder nach draußen. Besprühen Sie zudem die Schlitze in der Folie mind. 2x täglich mit Wasser aus einem feinen Zerstäuber. Achten Sie auch stets darauf, dass die Kultur nicht austrocknet, aber auch nicht vom Wasser ertränkt wird. Nach weiteren 2-3 Wochen bilden sich die ersten Fruchtkörper und wachsen dann schnell zu leckeren und gesunden Speisepilzen heran.  

 

Wir wünschen Ihnen eine prächtige Ernte und einen guten Appetit !