Mycel und Pilze auf Petrischalen züchten


Eine bewährte Methode Mikroorganismen und Pilze zu kultivieren, ist die Zucht in Petrischalen auf halbfesten, sterilen Agar-Nährmedien.  Agar-Agar ist ein Polysaccharid und wird aus roten Meeresalgen hergestellt. Agar ist in der Lage, Wasser zu verfestigen/gelieren. Dabei wird ein 3-Dimensionales Netzwerk ausgebildet, welches das Wachstum von gesundem Mycel optimal fördert.

 

Da Agar selbst keine vewertbaren Nährstoffe enthält, muss der Nährboden supplementiert werden. Dazu wird in der Regel Malzextrakt aufgrund seiner hohen Mineral- und Kohlehydratkonzentration verwendet (MEA). Um das Wachstum zu beschleunigen und die Qualität das Mycels zu erhöhen kann dem Agar zusätzlich Hefeextrakt und/oder Pepton beigemischt werden. Weitere Agar-Zubereitungen, die ebenfalls häufig verwendet werden, sind Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA), Haferflocken-Agar (OMA) oder auch Hundefutter-Agar (DFA).

 


Reinkultur vom Pioppino - Agrocybe aegerita auf Malzextrakt-Agar (MEA).

Petrischale mit Rosenseitling, die zu lange gelagert wurde. Es bilden sich bereits die ersten Fruchtkörper.


 


Agar-Nährmedien sind einfach und schnell zuzubereiten. Im folgenden werden einige bewährte Agar-Rezepte vorgestellt.  Mit einem Liter Agar-Nährmedium lassen sich etwa 50 Petrischalen der Größe 100x20 mm gießen.

 

Agar-Rezepte zur Pilzzucht


Malzextrakt-Agar (MEA)

  • 20 g Malzextrakt
  • 25 g Agar-Agar
  • 1 L Wasser
  • Optional: 2 g Hefeextrakt, 1 g Pepton

Hundefutter-Agar (DFA)

  • 20g trockenes Hundefutter
  • 25 g Agar-Agar
  • 1 L Wasser

Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA)

  • 300 g Kartoffeln (1 Stunde kochen in 2-3 L Wasser, nur die Brühe verwenden)
  • 25 g Agar-Agar
  • 10 g Dextrose (Traubenzucker)
  • das Gemisch sollte 1 L Nährmedium ergeben

Haferflocken-Agar (OMA)

  • 10 g Haferflocken
  • 25 g Agar-Agar
  • 5 g Malzextrakt
  • 1 g Hefe


Die ersten drei Agar-Rezepte (MEA, DFA, PDA) weisen einen hohen Nährstoffgehalt auf und sind ideal um Mycel kräftig und schnell wachsen zu lassen. Haferflocken-Agar (OMA) ist eine nährstoffreduzierte Agar-Variante und wird daher in vielen Laboratorien verwendet, um Mycel über einen längeren Zeitraum zu lagern. 

 

Damit die Kultivierung von Speisepilzen auf Petrischalen funktioniert, müssen die verwendeten Nährmedien unbedingt steril sein !!!!

 

Sterilisation von Agar-Nährmedien


Sollen die zuvor hergestellten Nährmedien sterilisiert werden, muss zunächst festgelegt werden, auf welche Weise weiter verfahren wird. Es stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um sterilen Nährboden auf Petrischalen zu erhalten: 

 

  1. Agar-Nährmedium vor dem sterilisieren in die Petrischalen gießen und befüllte Petrischalen autoklavieren
  2. Petrischalen und Agar-Nährmedium autoklavieren und anschließend das sterile Agar-Nährmedium in die sterilen Petrischalen gießen

 

Jede Methode bietet gewisse Vor- und Nachteile. Eine bessere Wahl scheint jedoch Alternative zwei zu sein. Nach dem Sterilisieren der Petrischalen und des Nährbodens, für 30 min bei 121 °C und einem Druck von 2 bar, kann dieser auf ca. 50 °C abkühlen gelassen und anschließend bequem in die Petrischalen gegossen werden. Durch das Abkühlen wird die Kondenswasserbildung in den Schalen deutlich reduziert. Ist diese nämlich zu stark, kann der gesamte Nährboden vom Wasser untersetzt und unbrauchbar werden. Des Weiteren besteht bei Methode zwei nicht die Gefahr, dass die Petrischalen beim autoklavieren überkochen und dass beim Transportieren von heißen Petrischalen etwas verschüttet wird, wie es bei Methode 1 durchaus passieren kann. 

 

Das Gießen der Petrischalen sollte unbedingt vor einem HEPA-Filter oder in einer Glovebox durchgeführt werden, um jeglichen Eintrag von Kontaminationen in den Nährboden zu verhindern. Daher sollten die Petrischalen beim Einfüllen des heißen Agar-Nährmediums auch nicht weiter als nötig geöffnet werden. Das gilt für alle Arbeiten mit sterilen Nährböden in Petrischalen (z.B. auch beim Selektieren von Mycel).

 


Zunächst wird die zuvor sterilisierte Malzextrakt-Agar Mischung unter sterilen Bedingungen heiß in die Petrischalen gegossen

Nach dem Abkühlen werden die Petrischalen sicher mit Parafilm verschlossen 


 


Nach dem Befüllen der Petrischalen können diese mit Parafilm verschlossen werden. Für Kontaminationen stellt die dünne, äußerst dehnbare Parafinschicht eine unüberwindbare Hürde dar, die gleichzeitig einen geringen Gas- und Wasserdampfaustausch mit der Umgebung zulässt. Dadurch bleibt das Mycel in der Petrischale länger frisch und neigt weniger zur Degeneration.

 

 

Produkte zur Pilzzucht auf Petrischalen